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Glas 1700 Automatic  'eine bemerkenswerte Technik'
 

In Europa beschäftigten sich nahezu alle Hersteller Mitte der 60er Jahre mit der Entwicklung von Automatik-Getrieben. Während die Amerikaner auf einen hydraulischen Wandlerteil mit nachgeschaltetem Planentenrad-Getriebe setzten, versuchten die Europäer unterschiedliche Wege zu gehen. Die ideale Kombination einer Automatik mit Wandler und Planetengetriebe besteht mit einem niedrig drehenden, drehmomentstarken Antriebsaggregat. Das war bei den Amerikanern der Fall, deren Motoren meist hubraumstarke 8-Zylinder oder zumindest große 6-Zylinder besassen. Daher ist die Verbreitung dieser Getriebe in den USA verständlich. Hinzu kommt noch ein deutlicher Leistungsverlust durch den Wandler, den ein kräftiger Motor wesentlich besser überspielen kann.

In Europa jedoch wurden meist kleinere 4-Zylinder, allenfalls 6-Zylinder eingesetzt. Man ging hier aufgrund der schwächeren mit weniger Hubraum versehenen Motore zum Teil andere Wege. Die ersten Automatikgetriebe findet man in Deutschland Anfang der 50er Jahre bei Borgward (Hansa und 2400), erst wesentlich später beim Mercedes 300d und in etwa zeitgleich ab Ende 1960 beim Opel Kapitän (Hydramatic). Bei kleineren Motoren war häufig auch zur Bedienungserleichterung der Saxomat zu finden ( hauptsächlich DKW und Ford), Olymat (OPEL) oder Hydrak (Mercedes), eine hydraulische Kupplungsbetätigung kombiniert mit einer Fliehkraftkupplung zum Anfahren. Hier konnte daher auf das Kupplungspedal verzichtet werden.

Bei GLAS ging man einen eigenen Weg. Das vorhandene ausgereifte Getrag-Getriebe wurde so übernommen wie es war und man automatisierte den Schaltvorgang durch Elektronik und Hydraulik Das Denken besorgte ein etwa zigarrenkistengroßes, von Bosch entwickeltes 'Elektronengehirn', welches unter dem Handschuhfach untergebracht war. Während der Fahrt wurde es laufend mit Daten gefüttert. An der Getriebeantriebswelle angeflanscht war ein Geschwindigkeitsgeber der das Fahrtempo ermittelte und ein Fühler ermittelte die Drosselklappenstellung des Vergasers. 5 Hydraulikkolben steuerten die Drosselklappenstellung sowie die Fichtel&Sachs Fliehkraftkupplung und führten dann die Schaltvorgänge aus. Eine kleine von der Lichmaschine angetriebene Zahnradölpumpe lieferte den notwendigen Druck für die hydraulischen Mechanik. 
 
mein 1700 Automatic beim GLAS-Treffen 1980 in Interlaken, kirschrot     Neupreis 1966 DM 9.250,-- + Automatic ( DM 890,-- Aufpreis )
aus der Zusatz-Betriebsanleitung für den 1700 Automatik

Von außen erkennbar ist die Automatik-Limousine an dem Schriftzug  auf der linken Seite des Kofferraumdeckels, hier übrigens mit "c", "AutoMatic" geschrieben, während in allen Prospekten, Betriebsanleitung und Technikinfos die Schreibweise "Automatik" zu finden ist. 
Es fehlt natürlich das Kupplungspedal und auf dem Getriebetunnel findet sich eine relativ kleiner, gummiüberzogener Schaltknüppel, an der Lenksäule rechter Hand ein Hebel, sozusagen ein zweiter Blinkerhebel. In der Instrumenteneinheit befindet sich eine zusätzliche, orangefarbene Kontrollleuchte. Betätigt man nun diesen kleinen Hebel rechts analog zur Lichthupe, also durch leichtes Ziehen, dann schaltet sich die Automatik ein und das Kontrolllicht erlischt. Per Hand legt man nun den ersten Gang am kleinen Mittelschalthebel ( normale H-Schaltführung ) ein. Bei Berühren des Schalthebels kuppelt der Wagen übrigens hydraulisch aus, was man bereits von den Saxomat ( bzw. Olymat-) Getrieben kennt. Jedoch wäre das Gangeinlegen bei stehendem Fahrzeug dank der Fliehkraftkupplung technisch auch ohne dieses Auskuppeln möglich ( die Citroen 16 PS Ente hatte Mitte der 60´er Jahre, soweit ich mich erinnere, eine solche Fliehkraftkupplung trotz Kupplungspedal  ). Während der Fahrt jedoch hat die Fliehkraftkupplung keine Funktion mehr, sie dient sowohl beim Saxomat als auch bei der GLAS-Automatik lediglich zum ruckfreien Anfahren ohne Kupplungspedal. Ein interessantes Schauspiel bietet sich nun dem Betrachter. Noch wenige Jahre zuvor lachten wir Kinder uns über die Mutter eines Freundes halb tot, als sie nach der Funktion der Automatik unseres Heckflossen-Benz fragend meinte, "ob da der Schalthebel selber hin- und herwetzt". Aber bei der GLAS-Automatic ist das wirklich so, wie von Geisterhand geschaltet, bewegt sich der Schalthebel in Abhängigkeit von Drehzahl und Geschwindigkeit zwischen den Gängen. Als ich mit meinem oben abgebildeten 1700 Automatik das GLAS-Treffen in Interlaken 1980  besuchte, mußte ich immer wieder Probefahrten durchführen und die Funktion erläutern. Hatten doch die meisten GLAS-Freunde Zeit ihres Lebens noch keinen solchen Wagen gesehen, geschweige denn mitfahren können.

Beschleunigt man nun mit Vollgas, dann reißt die Automatik genau bei 5.000 Umdrehungen den Schalthebel in den nächst höheren Gang, der Schaltvorgang benötigt gerade mal 0,3 Sekunden. Ließ man sich dagegen Zeit und gab weniger Gas, so schaltete die Automatik früher, sozusagen die Economicvariante. Manuelle Beeinflussung ist natürlich auch möglich. Ausschalten der Automatik mit einem Fingertip ( durch die "Lichthupenbetätigung" des kleinen Hebels rechts während des Beschleunigungvorgangs ) verhindert ein Hochschalten so lange, bis man erneut kurz auf den Schalter tippt. 

Darüberhinaus läßt sich dieser Schalter von der Stellung "A" in die "B"-Stellung bringen, dadurch wird z.B. bei Gebirgsfahrten das zu frühe Hochschalten verhindert. Eine weitere Möglichkeit der Beeinflussung ist die von anderen Automatikgetrieben her bekannte "Kickdown Funktion" des Gaspedals, mit der man bei Bedarf blitzschnell den nächst niederen Gang holen kann, wenn man ( zum Beispiel beim Überholen ) Kraft benötigt. Eine weitere Funktion, die ich selber gerne nutzte, ist eine Erleichterung beim Rangieren, z.B. wenn man ausparkt: Rückwärts aus der Parklücke fahren, anhalten, kurzer Tipp auf den Hebel und der erste Gang legt sich wieder wie von Geisterhand bewegt ein. Ohne den Schalthebel berührt zu haben fährt man dann vorwärts los und das Getriebe schaltet beim Beschleunigen hoch.

Das Automatik-Getriebe war ab Juli 1966 gegen DM 890,-- Aufpreis lieferbar, Opel und Ford verlangten DM 950,--, BMW DM 1.200,-- und  Mercedes gar DM 1.400,--

* Einen ausführlichen Bericht finden Sie im GLAS Magazin Sonderheft 2000, zu beziehen über den Club, Link oben

Neben diesem kirschroten GLAS 1700 Automatik mit beiger Stoffpolsterung in sehr schönem Zustand besaß ich während der 70er und 80´er Jahre noch einen astralweißen Automatik mit roter Stoffpolsterung. Leider verkaufte ich beide Fahrzeuge aus Platzgründen, doch die Erinnerung an den GLAS, an ein wunderschönes Club-Treffen in Interlaken/Schweiz und einen aktiven Club mit vielen Freunden ließen mich nach Jahren der 'Abstinenz' 1996 wieder ein 'Glasprojekt' angreifen.
 


© Archiv Jansen  -  OldtimerWEBseiten  18.09.2003  - Update 21.03.2012